Am 22. November wurde Dorfen von der 1. Querdenker-Kundgebung heimgesucht. Der Initiator kam aus Haag, die Initiatoren waren Landshuter, die mit ihrem Truck durch Oberbayern touren. „Wir Bürger vor Ort möchten mit Ihnen ins Gespräch kommen“, hieß es in einem vorher verteilten Flyer. Es kamen auch etwa 80, aber nicht zu den Querdenkern, sondern zur gleichzeitig stattfindenden Gegenkundgebung auf dem Marienplatz. Auch bei den Querdenkern am Unteren Markt wurde der eine und die andere Neugierige gesichtet, um dann eilig und kopfschüttelnd die Ansammlung zu verlassen. Dass das Landratsamt den  Querdenkern nicht einmal eine Mund- und Nasenbedeckung verordnet hatte, fand bei den Gegendemonstrant*innen kein Verständnis.

Bei der Dorfener Kundgebung hatten auch die sog. Erdinger Patrioten, eine Vorfeldorganisation der hiesigen AfD, ihren Auftritt. Wer sich zu dem obskuren Haufen kundig machen will, kann im Internet die Seite erdinger-patrioten.de aufrufen. Die „Patrioten“ hatten in diesem Jahr schon diverse Auftritte auf dem Erdinger Schrannenplatz. Zuletzt am 12. Dezember, aber diesmal weitab auf dem Parkplatz des städtischen Schwimmbads. Lt. Erdinger Anzeiger sollen sich an dem Samstag kurz vor dem harten Lockdown etwa 75 Interessenten eingefunden haben. Die Kundgebung war „Im Schulterschluss mit den Erdinger Patrioten“ organisiert und verantwortet wie vorher in Dorfen von Querdenken Landshut-Infotour 2020.

Mehr zur Erdinger Kundgebung  von Michael Kienastl und Florian Tempel in der Süddeutschen Zeitung: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/erding/erding-querdenken-kundgebung-afd-1.5146576

Auch im konkreten Erdinger Fall ein Schulterschluss von Querdenken mit Rechtsaußen. Wer das immer noch bestreitet, verweigert sich mit Absicht der Realität. Aber was ist die Alternative? Die Alternative zu Querdenken heißt für uns nicht Jens Spahn oder Bundesregierung. Durch die Privatisierung im Gesundheitswesen im Rahmen der neoliberalen Dogmen der vergangenen Jahrzehnte wurden Bedingungen geschaffen, die sich in der Pandemie bitter rächen. Diese Entwicklung müssen wir in den Fokus rücken und Konsequenzen daraus ziehen. Querdenken kann nicht die Lösung sein. Mitdenken und nachdenken ist angesagt.

Dazu mehr: https://international.ptb-pvda.be/de/articles/das-recht-auf-gesundheit-setzt-eine-egalitaerere-gesellschaft-voraus-interview-mit-sofie


Buchtipp zum Thema
:

Peter Mertens: Uns haben sie vergessen. Edition Ost, 10/2020, 156 S., 14 €

Mertens Darstellung unterscheidet sich von den meisten Publikationen zu diesem Thema: Er jongliert nicht mit Zahlen und medizinischen Befunden, er verzichtet auf pseudowissenschaftliche Erklärungen. Er nimmt die Pandemie als gesellschaftspolitischen Vorgang. »Uns haben sie vergessen« zeigt Europas Menschenlandschaft mit Krise und Habgier in Corona-Zeiten, mit Krankenschwestern und »systemrelevanten« Werktätigen als »Helden«. Ein Bericht über eine alte Welt, die abstirbt, und eine neue, die noch geboren werden muss. Denn Corona ist zwar eine Krankheit des Körpers, aber sie offenbart, dass es dringlich ist, den Zeitgeist zu verändern und die gesellschaftlichen Umstände menschlicher zu gestalten. Für Leser, die nach Erklärungen suchen, warum derzeit alles schiefläuft, und warum man viele vergisst, bietet er verständliche Antworten. Peter Mertens plädiert für einen europäischen Prometheus-Plan, der den Bedürfnissen von Mensch und Natur dient und nicht den Regeln von Gewinn und Börse folgt. (aus dem Klappentext)

Termine

25.04.21 | 19:45
| Protest

Gegen Geschichtsrevisionismus und Nazirituale
München, Max-Joseph-Platz
1.05.21 | 11:00 - 12:00
| Kundgebung

Für eine solidarische Gesellschaft - überall!
Dorfen, Unterer Markt

"Wohltätigkeit ist das Ersaufen des Rechts im Mistloch der Gnade."

Johann Heinrich Pestalozzi

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